"Große Hoffnung habe ich nicht mehr"



Marco Rose über seine Reservistenrolle, seinen Glauben und ein ungewöhnliches Filmprojekt


Marco Rose erlebt im Moment keine einfache Zeit beim FSV Mainz 05. Der Linksverteidiger des Fußball-Bundesligisten kam in dieser Saison bisher nicht über eine Reservistenrolle hinaus. Am Saisonende will er entscheiden, ob und wie es für ihn am Bruchweg weiter geht.


Von Ulrich Gerecke


Beim Derby gegen Eintracht Frankfurt (2:2) war Marco Rose mal wieder 90 Minuten für Mainz 05 am Ball, zum ersten Mal seit dem Uefa-Cup-Spiel in Sevilla am 15. September. "Bis auf die erste Halbzeit war es ganz ordentlich. Es war ein schönes Gefühl, mal wieder zu spielen", erklärt der 29-Jährige (AZ-Note: 2,5). "Aber geregelte Spielpraxis kriegt man bei so seltenen Einsätzen nicht." So erklärt sich vielleicht auch jene Szene vor dem 0:2, als Linksverteidiger Rose und Kollegen nicht gut aussahen: "Wer mich kennt, der weiß, dass ich defensiv eine Bank bin. Mit mehr Spielpraxis wäre mir das eventuell nicht passiert."


Mehr Spielpraxis wird Rose aber wahrscheinlich auch künftig nicht bekommen. Im Derby war er nur deshalb dabei, weil sich Benjamin Weigelt vorher an der Muskulatur verletzt hatte. Rose weiß, was Sache ist: "Ich bin die Nummer zwei auf dieser Position, das muss ich akzeptieren. Große Hoffnung habe ich nicht mehr, dafür bin ich zu oft enttäuscht worden." Verbittert gibt sich der Sachse ob dieser Perspektive dennoch nicht. "Ich werde versuchen, mich in Form zu halten und gut zu trainieren", kündigt Rose an. Dass er trotz eines Angebotes von Dynamo Dresden seinen Vertrag in Mainz im vergangenen Sommer noch einmal um zwei Jahre bis Juni 2007 verlängert hat, bereut er ebenso wenig: "Ich fühle mich wohl in Mainz und habe mit 05 viel erreicht. Ich spiele Bundesliga und habe Uefa-Cup gespielt."


Deshalb macht sich der 2002 von Hannover 96 gekommene Linksfuß auch vor dem nächsten Sommer keine Gedanken um seine Zukunft. "Ich ziehe die Saison hier hundertprozentig durch, egal was kommt. Ich bin ja nicht höllisch weg vom Fenster, und Trainer Jürgen Klopp weiß, dass er sich auf mich verlassen kann." Zumal der Verein ihn in der Winterpause wohl auch kaum ziehen lassen wird. Allerdings will Rose, falls er Weigelt nicht verdrängen kann, im Sommer 20006 das Gespräch mit dem Klub suchen: "Ich muss am Saisonende gucken, ob es noch Sinn macht. Ob das alles noch das ist, was ich will."


"Das Tor zum Himmel"Was Rose, der seit einigen Wochen mit dem Ex-05er Sandro Schwarz (SV Wehen) in Mainz eine WG "betreibt", in sportlich schweren Zeiten aufrecht hält, ist seine Religion. "Ich bin ein gläubiger Christ", betont der gebürtige Leipziger, der in der früheren DDR atheistisch erzogen wurde und sich jetzt konfessionslos nennt. Seinen Glauben vertritt er sehr offen - auch vor der Kamera. "Fußball Gott - Das Tor zum Himmel" heißt das Werk des Wiesbadener Filmemachers und Kabarettisten David Kadel, es ist eine Art "Roadmovie" über gläubige Profikicker wie Lucio, Gerald Asamoah, Cacau, Marcelo Bordon - und eben Marco Rose. Am Ende des Doku-Streifens, der im Frühjahr entstand, stellt der Regisseur aus all jenen religiösen Spielern, die er nach und nach besucht hat, eine Mannschaft zusammen - sozusagen "Gottes Dream Team", das am Ende von keinem Geringeren als "Kloppo" trainiert wird.


"Der Film ist ganz witzig", sagt Rose. "Er soll zeigen, dass Glauben Spaß macht und nicht langweilig oder nur von strengen Vorschriften geprägt ist." Viele seiner Kollegen, berichtet der 05-Abwehrspieler, seien sehr gläubig, ohne dies an die große Glocke zu hängen. "Viele tragen das in ihrem Herzen, das muss ja auch jedem selbst überlassen sein. Ich gehe damit offensiv um, weil ich meine Mitmenschen darauf aufmerksam machen will, wie sehr der Glauben hilft." Sich nach Toren zu bekreuzigen, wie es viele Brasilianer tun, kommt ihm jedoch nicht in den Sinn.


Dafür betet Rose vor jedem Spiel. "Aber nicht für einen Sieg, weil auf der anderen Seite vielleicht auch gläubige Christen stehen", meint er schmunzelnd. "Ich bete um Kraft für mich und dass sich im Spiel niemand schwer verletzt. Wenn ich bete, dann weiß ich, dass immer jemand bei mir steht." Beistand, den Marco Rose nicht nur als "Edelreservist" gebrauchen kann...




(Quelle: "Allgemeine Zeitung Mainz")
 
 
   
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