Nur Verteidiger Marco Rose spricht Klartext



05-Profi sagt: Hannover hat man einen Tick mehr angesehen, dass sie gewinnen wollten / Jovanovic: Zu wenig Torchancen


Vom 27.11.2006


Von Lutz Eberhard


Die Nerven sind angespannt, der Frust ist groß. Nicht alle Profis des FSV Mainz 05 sind nach solchen Spielen in der Lage, in Gesprächen darüber Auskunft zu geben, was geschehen ist und wie es weiter gehen soll. Das ist bis zu einem gewissen Grad verständlich, aber die Situation beim so gerne sympathisch daher kommenden Klub ähnelt nun immer mehr den schweren Krisen bei einem gewöhnlichen Bundesligaverein. Nichts mehr von der Leichtigkeit des Seins, von Optimismus schon lange keine Spur mehr. Die Führungsspieler der 05er stecken in einer Identitätskrise.


"Konter besser nutzen" Marco Rose kann auch nicht erklären, wie eine Besserung herbei zuführen ist, aber der Linksverteidiger gibt intelligente Hinweise. "Am Ende haben wir verdient verloren, weil wir nicht gut nach vorne gespielt haben." Insgesamt könne man die Konter besser ausführen. "Wir sind hierher gekommen, um zu gewinnen. Eine Punkt müssen wir mindestens mitnehmen", beschrieb der 30-Jährige. Und dann Worte, die wie eine Peitsche knallen bei der Mannschaft, die jahrelang in Auf- und Abstiegskämpfen für Leidenschaft und Willenskraft stand: "Ich glaube, man hat Hannover einen Tick mehr angesehen, dass sie gewinnen wollten." Die Offensivschwäche sei nicht am Mittelfeld oder Sturm festzumachen, sondern insgesamt laufe es nicht. "Wir müssen weiter arbeiten, aufgeben gilt nicht", so Rose.


"Manchmal ist es ja leichter, gegen die Bayern zu gewinnen als gegen Hannover", lächelte der Defensivspezialist, der einst an der Leine spielte, bevor er nach Mainz wechselte. Immerhin hatte er vom 96-Amerikaner Steven Cherundolo das Trikot ergattert und Ex-Kollege Hanno Balitsch herzte ihn. "Wir müssen an uns selbst glauben." Für den gebürtigen Leipziger ist klar, dass auch in diesem scheinbaren Defensivsystem mit zwei flachen Viererketten mutiger nach vorne gespielt werden könnte. "Auf uns gibt doch jetzt keiner mehr einen Pfifferling. Das ist die Chance."


Für 05-Tore sollte unter anderem Ranisav Jovanovic sorgen, der eine Chance in der Startelf erhielt. "Wir hatten zu wenig Torchancen." Der lange Linksfuß konnte sich nicht recht erklären, was schief gelaufen war. "Es wurde zu wenig nach vorne gespielt. Wir sind gelaufen und gelaufen, haben taktisch gut gestanden und haben wenig Chancen von Hannover zugelassen. Ein Punkt wäre verdient gewesen, jetzt sind wir am Boden zerstört." Es sei wichtig, in der Defensive alles richtig zu machen, aber es sei für den Angriff sehr schwer. "Ich hatte eine Chance, mit etwas Glück gibt das ein Tor", meinte Jovanovic. Vor allem die ruhenden Bälle blieben ungenutzt: "Im Freitagstraining waren die Standards sensationell." Am Samstag war davon nichts mehr zu sehen. Fehlte der letzte Wille zur totalen Offensive? Jovanovic gibt eine klare Antwort: "Wir können nicht total aufmachen, das wäre Harakiri gewesen."


"Glück zurück kämpfen" Mit Offensivakteur Petr Ruman erhielt ein weiterer 05-Profi eine neue Chance. Lange hatte der Tscheche wegen mehrerer Verletzungen im Kader gefehlt. "Es war ein gutes Gefühl, wieder dabei sein zu können, aber wir fahren ohne Punkte nach Hause." Das Glück müsse zurück erkämpft werden. "Wir müssen uns mehr reinbeißen und wehren. Das ist schwer, aber wir haben doch gesehen, dass wir nicht schlechter als Hamburg und Hannover sind", sagte der Stürmer. Auch für ihn war es unverständlich, dass die Ecken und Freistöße von der Seite ohne Wirkung blieben.


Kapitän Dimo Wache unterstrich, dass in der ersten Halbzeit der eigenen Plan zu hundert Prozent aufgegangen sei. "In der zweiten Halbzeit haben wir unseren Plan vernachlässigt. Es haben die zwingenden Chancen gefehlt. Unser Plan war von ganz unten aufgebaut, dem Gegner keine Chancen zuzulassen." Der Torhüter unterstrich: "Das ist sicher eine ganz schwere Situation, aber wir werden definitiv nicht aufgeben."




(Quelle: "Allgemeine Zeitung Mainz")
 
 
   
      Home | Autogrammadresse | Impressum