Als Jungspund die Kloppo-Sense gespürt
Marco Rose (28) gibt den linken Part in der Mainzer Viererkette. In Freiburg traute er sich einmal ganz nach vorne und bewies ungeahnte Torjägerqualitäten.
Der 05er: Hallo Marco, uns ist zu Ohren gekommen, dass Dein Last-Minute-Siegtreffer gegen den SC Freiburg demnächst in diversen Lehrfilmen gezeigt werden soll. Titel: der perfekte Vollspannstop mit der linken Klebe.
Rose: Das können die gerne machen. (lacht) Ich stelle ihnen die Szene sehr gerne zur Verfügung.
Der 05er: In der anschließenden PK hat Trainer Jürgen Klopp ein wenig über Deine bis dahin unbekannten Torjägerqualitäten philosophiert. zitat: "So zwei, drei Torchancen pro Saison hat der Rose auch - eine davon nutzt er auch mal."
Rose: Ist doch für einen Abwehrspieler eine Riesenquote eigentlicht, oder? Wenn ich pro Saison so meine zwei, drei Chancen habe, ein Tor mache, liege ich bei 50 Prozent. Davon träumt jeder Stürmer. Aber Spaß beiseite: Ich weiß, dass ich einen guten linken Fuß habe und im Training zeige ich das oft genug. Da mache ich die Buden, flanke die Bälle nacheinander in den Strafraum - und das ärgert Kloppo ohne Ende, weil er sieht, dass ich es mir im Training zutraue, im Spiel wiederum weniger. Er würde gerne noch viel mehr von mir sehen, mehr Mut, das weiß ich.
Der 05er: Um auf der philosophischen Schiene zu bleiben. Mut tut in der Bundesliga gut.
Rose: Es ist das, was wir immer sagen. Wir erachten die Geschichte, so wie es momentan bei uns läuft, nicht als unglaublich oder ungewöhnlich. Es ist das Ergebnis harter Arbeit mit einem Quäntchen Glück, das man sich auch erarbeiten muss. Wir kriegen die Punkte nicht geschenkt.
Der 05er: kapitän Dimo Wache würde sagen: "Es stehen schließlich auch noch ein paar andere Fussballspieler auf dem Feld." Ziemlich gute zudem.
Rose: Über die Qualität der Einzelspieler muss man nichts sagen. Die können Dir Schwierigkeiten bereiten, Dich in Eins-gegen-Eins-Situationen schwindelig spielen, Dir das Leben zur Hölle machen. Wir wissen das. Und wir wissen, wie wir auftreten müssen, um erfolgreich zu spielen. Wenn ich im Nachhinein an unser Auftaktspiel in Stuttgart denke, meine Güte, dann sage ich mir immer wieder: Warum sind wir da nicht selbstbewusster aufgetreten.
Der 05er:War die bisher einzige Niederlage also Ergebnis des zu großen Respekts vor dem großen Namen des jorjährigen Champions-League-Teilnehmers?
Rose: Wenn in der Bundesliga Namen eine Rolle spielen würden, müssten wir uns vor jedem Spiel eine Woche lang nur damit beschäftigen und danach richten - weil es kaum einen Bundesligisten ohne Nationalspieler gibt. Wir können uns nicht leisten nach Namen zu schauen.
Der 05er:Und wenn nun der Meister und Pokalsieger Werder Bramen am Bruchweg vorbeischaut?
Rose: Dann haben wir natürlich Respekt davor, was sie in der vergangenen Saison erreicht haben - und wie sie es erreicht haben. Aber wir werden nicht vor Ehrfurcht in die Knie gehen.
Der 05er: Sondern?
Rose: Ich denke mir, wir haben ein Heimspiel und haben wieder die Chance, die Punkte hierzubehalten. Das selbe Procedere wie vor jedem Spiel auch. Wir wollen selbstbewusst ins Spiel gehen, hinten sicher stehen, mutig nach vorne spielen - na klar, und einige Sachen besser machen. Es gibt immer etwas zu verbessern.
Der 05er: Das Image des Vereins hat sich immens verbessert. Von Flensburg bis Berchtesgarden sprechen die Menschen vom neuen Kultklub Mainz 05. Hast Du Worte für den Wahnsinn?
Rose: Es ist wirklich klasse zu sehen, wie Verein, Mannschaft und Fans gemeinsam so ein positives Image erzeugt haben. Wen Du hörst und wen Du fragst, ist völlig begeistert von Mainz 05. Es ist unglaublich, wie viele Leute mich schon angesprochen haben - ja selbst in meiner Heimatstadt Leipzig. Da fahren die Leute total auf die 05-Retro-Jacken ab. Mein Kumpel Stefan Just (Handballspieler beim Bundesligisten SC Magdeburg) läuft mit einer 'rum, meine Freunde und Eltern haben schon eine bestellt. Das ist Wahnsinn. Hier stimmt halt alles. Trotzdem ist der Verein klein und persönlich geblieben. Ich bin jetzt zweieinhalb Jahre hier dabei und fühle mich unheimlich wohl.
Der 05er:Am 7. November 1997 hast Du wahrscheinlich noch ein anderes Bild von Mainz gehabt, als Du mit dem VfB Leipzig zum Zweitligakick ins "alte" Bruchwegstadion kamst?
Rose: Ehrlich gesagt, ich hatte gar kein Bild von Mainz 05 gehabt. Wenn damals irgendjemand gesagt hätte, dass ich in ein paar Jahren hier spielen würde, hätte ich ihm einen Vogel gezeigt, weil ich es nie für möglich gehalten hätte. Mainz, das war für mich damals eine graue Maus.
Der 05er: Eine graue Maus, gegen die Du Dein zweites Zweitligaspiel bestritten hast. Dein direkter Gegenspieler hieß Jürgen Klopp.
Rose: Oh ja, das war schon hart. Ein-, zwei Mal hat er mich richtig abgegrätscht. Nun ja, so war das halt. Ich war ziemlich aufgeregt, wir haben 1:2 verloren und ich war danach fix und fertig. Ich wei noch, dass Kloppo danach zu mir kam und mir auf die Schulter klopfte. Ich rechtfertigte mich fast vor ihm, dass es erst mein zweites Spiel gewesen sein. Er sagte, er wisse das und dann wünchten wir uns viel Glück für die Zukunft. Wie das so üblich ist.
Der 05er: Und ist Jürgen Klopp Dein Vorgesetzter.
Rose: ich geh' mit der Frage immer sehr kritisch um. Es gibt Momente, da habe ich schon meine Probleme mit gewissen Ansichten, sehe es anders als er. Hier und da geraten wir richtig aneinander - aber wir sind beide nicht nachtragend und das gehört zum Fussball dazu. Er versteht Dich eben als Spieler - und war früher als solcher selbst kein Kind von Traurigkeit. Und auch wenn wir manchmal nicht einer Meinung sind, denke ich immer wieder, dass er ja irgendwie doch Recht hat . er stützt mich und steht hinter mir.
Der 05er: Und in Freiburg entschied er sich für Dich als linker Außenverteidiger.
Rose: Ich hätte kein Problem gehabt, wenn Benni (Benjamin Weigelt) gespielt hätte, weil er seine Sachen gegen Dortmund richtig gut gemacht hat. Aber ich hatte mir den Platz in den fünf Spielen zuvor erarbeitet, habe bisher eine solide, ordentlichte Runde gespielt.
Der 05er: Bisher ist es eine Runde voller Begeisterung.
Rose: Stimmt, es ist einfach geil, da dabei zu sein. Ich freue mich auf jedes Bundesliga-Spiel wie ein kleines Kind, auch weil ich eben das Gefühl habe, mittendrin und nicht nur ein lästiges Anhängsel zu sein. Und jetzt kommen auch noch ein paar schöne Stadien. Nächste Woche Schalke, irgendwann Dortmund.
Der 05er: Bundesliga ist also schöner als Weihnachten, Ostern und Silvester zusammen?
Rose: Oh nein, Weihnachten mit der Familie steht über allem. Aber in der Bundesliga zu spielen, ist fast so schön.
Das Gespräch führte Henning Kunz
(Quelle: "Der 05er")
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