"In schlechten Phasen der Saison konnten wir uns immer gegenseitig aufbauen"
Verteidiger Marco Rose von Mainz 05 und der Wehener Mittelfeldspieler Sandro Schwarz über die Gründe, eine Wohngemeinschaft zu bilden, und die Vor- und Nachteile eines Fußballerhaushaltes
Frankfurter Rundschau: Herr Rose, bei Reisen von Mainz 05 müssen Sie schon das Zimmer mit einem Fußballer teilen. Warum haben Sie sich dann auch noch einen kickenden Mitbewohner ausgesucht?
Marco Rose: Die Frage stellt sich gar nicht. Sandro und ich sind hier in unserer Wohnung keine Fußballer, sondern in erster Linie dicke Freunde.
Sind Sie dann dicke Freunde, die immer zusammen Fußball schauen und nur über Fußball reden?
Sandro Schwarz: Wir reden natürlich viel über Fußball. Wir tauschen uns aus über Entwicklungen in Wehen und Mainz. Und natürlich läuft im Fernseher viel "arena" ...
Rose: ... wobei Tanja, Sandros Freundin, auch dafür sorgt, dass immer mal wieder auch eine "Daily Soap" zu sehen ist.
Es kommt häufiger vor, dass Fußball-Profis Nachbarn sind. Eine WG ist hingegen ziemlich ungewöhnlich. Warum haben Sie sich dazu entschieden?
Schwarz: Als Rosi und ich von 2002 bis 2004 zusammen in Mainz gespielt haben, haben wir uns quasi vom ersten Tag an super verstanden. Wir schätzen uns als Menschen unheimlich. Als ich dann nach einem Jahr in Essen nach Wehen ging, hatten wir die Idee, uns ein Haus zu suchen.
Rose: Das Gute an so einer WG ist doch, dass jemand da ist, wenn du vom Training nach Hause kommst. Wenn du mal nicht gut drauf bist, bist du nicht allein. Das ist gerade für mich wichtig, da meine Freundin in Leipzig lebt. Mit Sandro habe ich immer jemanden zum Reden.
Das war wohl in der Vorrunde, als es für Mainz 05 in der Bundesliga denkbar schlecht lief, ziemlich wichtig?
Rose: Klar. Auch wenn unsere Freundschaft, wie schon gesagt, nicht auf den Fußball beschränkt ist, so war das schon gut, mit Sandro darüber reden zu können. Er kennt Mainz 05 als gebürtiger Mainzer ja sogar besser als ich, deshalb hat er da schon was sagen können.
Schwarz: Genauso hat Rosi mir aber auch helfen können, als es bei mir noch nicht so gut lief. Ich habe ja erst nach über einem Jahr in Wehen so richtig Tritt gefasst. Da hilft es, wenn man Ratschläge von einem Kumpel bekommt, der auch Fußballer ist, aber eben nicht im eigenen Team spielt. In den schlechten Phasen dieser Saison konnten wir uns immer gegenseitig aufbauen.
Jetzt sind Sie beide Führungsspieler in Teams, die einen guten Lauf haben. Mainz 05 hat sich vom abgeschlagenen Tabellenschlusslicht nach vorne gekämpft, der SV Wehen hat den Aufstieg in die zweite Liga vor Augen. Wirkt sich das auf die Atmosphäre in der WG aus?
Schwarz: Natürlich sind wir beide besser gelaunt, wenn wir gewinnen und es dazu persönlich gut läuft. Aber wir machen hier dann deshalb nicht jeden Tag Party, weil wir in die zweite Liga aufsteigen können und die 05er wieder gute Chancen auf den Klassenerhalt haben.
Rose: Ich bezeichne unsere WG inklusive unserer Freundinnen und meiner Hündin Lady, wenn sie mal alle da sind, immer als normale Familie. So eine Familie gibt dir Kraft, es gibt aber auch mal ganz normale Alltagsprobleme, zu denen Siege und Niederlagen genauso dazugehören wie die Frage, wer einkaufen geht.
Und wer ist dann der Haushaltsvorstand in der Familie?
Rose: Gute Frage. Sandro und ich sind ja eher Brüder. Wir rufen uns eh immer "Brother". Wenn es um Sachen wie Putzen geht, sind eher unsere Freundinnen diejenigen, die mal so Sachen sagen wie: 'Oh, da ist ja ziemlich viel Staub! Man könnte ja mal wieder putzen...'
Hat Ihre WG denn auch Einfluss auf die Zukunftsplanung als Kicker?
Rose: Nein. Keiner von uns beiden kann seine berufliche Entwicklung davon abhängig machen, dass wir hier so nett zusammen wohnen. Da muss man schon an seine eigene Zukunft denken.
Ihre Vereine denken noch immer darüber nach, eventuell ebenfalls eine Wohngemeinschaft zu bilden in einem Stadion in Mainz-Kastel. Fänden Sie es reizvoll, auch noch den Fußballplatz zu teilen?
Schwarz: Rein aus sportlicher Sicht bin ich mir nicht sicher, ob eine 35 000-Mann-Arena, die im Gespräch ist, für den SV Wehen so förderlich wäre. Wir würden dann in einem Stadion kicken, das Mainz 05 voll bekommt, das aber bei uns in der zweiten Liga meistens recht leer sein dürfte. Da freue ich mich schon eher auf die hoffentlich enge Atmosphäre an der Berliner Straße in Wiesbaden, wo die Stahlrohrtribünen meines Erachtens für gute Stimmung sorgen können.
Rose: Vom Gefühl her hoffe ich auch eher, dass Mainz 05 mit dem Stadion links des Rheins bleibt. So oder so braucht der Verein für seine Entwicklung aber schnellstmöglich eine neue Arena. Auch wenn ich persönlich richtig verliebt bin in den Bruchweg, so wie er jetzt ist mit seiner engen, intensiven Atmosphäre.
Interview: Daniel Meuren
(Quelle: "Frankfurter Rundschau") |