"Dieses Image nervt"



Dank eines Kopfballs von Verteidiger Marco Rose hat den FSV Mainz 05 wieder Anschluss zu den Nichtabstiegsplätzen. Sein Siegtreffer gegen Bochum am ersten Spieltag der Rückrunde sorgte dafür, dass man in der rheinland-pfälzischen Landeshauptstadt wieder ein klein wenig optimistischer auf die kommenden 16 Spiele schaut. Kurz nach seinem Tor verletzte sich der gebürtige Leipziger, der die Klischees über die 05-Fans nicht mehr hören kann.


RUND: Glückwunsch zum Siegtreffer. Wie schwer ist die Verletzung, die Sie sich ein paar Minuten später zugezogen haben?
Marco Rose: Eine Oberschenkelzerrung. Gegen Dortmund bin ich sicher nicht dabei, und für das Spiel in Frankfurt wird es eng.

RUND: Wenn Sie in Bochum verloren hätten, wäre der Abstand auf den VfL auf zehn Punkte angewachsen.
Marco Rose: Selbst dann hätten wir nicht aufgegeben. Wir wussten, dass wir noch eine Chance haben, und haben uns im Trainingslager sehr deutlich gemacht, was passiert, wenn wir die Niederlagenserie nicht stoppen. Wir wollten einfach vermeiden, dass die Medien uns nach jeder Niederlage ein Stück tiefer in die Zweite Liga schreiben. Der Sieg in Bochum war ein guter Anfang, mehr nicht.

RUND: Man hat den Eindruck, die 05-Fans freuen sich über jeden Sieg, würden Ihnen aber auch einen Abstieg verzeihen.
Marco Rose: Ich glaube, es wäre auch für unsere Fans eine Katastrophe, wenn wir absteigen würden. Das wird immer ein bisschen falsch dargestellt. Wenn man mal mit Fans ins Gespräch kommt, sagen die als erstes, dass sie dieses Image nervt.

RUND: Welches Image?
Marco Rose: Egal, was passiert, die feiern und jubeln immer. Die Leute wollen schon ernst genommen werden.

RUND: Auf der RUND-Homepage läuft derzeit eine Themenwoche über den Rassismus im Fußball. Deswegen wechseln wir jetzt das Thema.
Marco Rose: Tja, was will man da machen? Es wäre halt schön, wenn der jeweilige Sitznachbar auf der Tribüne sagen würde, dass der Pöbler neben ihm die Klappe halten soll. Stadionverbote sind auch gut. Ich bin ja mit dem Präsident von Lok Leipzig gut befreundet, dort passiert mittlerweile auch etwas. Schade, dass der Verein so auf Rechtsradikalismus und Hooligans reduziert wird. Es gibt dort auch Positiveres zu berichten.

RUND: Fraglos, es war nur so, dass von Vereinsseite lange abgestritten wurde, dass es überhaupt ein einschlägiges Problem gibt.
Marco Rose: Mittlerweile geht der Klub offensiv damit um. Das ist auch das Beste, was man machen kann. In Cottbus, habe ich gehört, ist auch eine Gruppe von Fans gegründet worden, die sich gegen diese Leute wehren. Das zeigt, wie vernünftig doch die meisten Zuschauer sind. Vielleicht wäre es auch schlauer von den Medien, die Rechten eher zu ignorieren, vielleicht nimmt ihnen Nichtbeachtung ein bisschen den Wind aus den Segeln.


Interview: Christoph Ruf



(Quelle: "www.rund-magazin.de")
 
 
   
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